Skype, Video und Linux

January 6, 2008 – 22:09

Drei WebcamsIch habe mit Freuden vor längerer Zeit festgestellt, dass Skype endlich den Video Support in die aktuelle Linux Beta 2.0.0.13 eingebaut hat und diese mit 2.0.0.27 sogar nun einigermaßen funktioniert. Nur leider hatte ich keine passende Cam…

Also auf zur nächsten ‘Saubillig und noch viel mehr’ Apotheke und eine Webcam nebst Headset eingepackt. Bei der Auswahl habe ich mir nicht viel Gedanken gemacht und einfach ein Paket von Philips geschnappt. Dabei hab ich gar nicht mal so daneben gegriffen. Für ca. 40 Euro hatte ich eine Webcam SPC520NC/00 mit einem Headset SHM2000 erwischt. Das Headset barg keine Stolpersteine, da es lediglich 3.5mm Klinkenstecker bot und keine Extras wie etwa integrierte USB Soundkarten oder ähnliche Späße mit sich brachte. Bei der Cam hatte ich in so fern Glück, dass sie mit dem linux-uvc Treiber funktionierte, der den USB Video Class Standard unter Linux realisiert. Der Treiber ist in einem relativ frühen Stadium, unterstützt aber Webcams nach UVC 1.0 oder 2.0 Standards mehr oder weniger gut. Bei der Philips liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Es gibt Bild, aber nur in einer misserablen Auflösung von 160×120 (1/4 VGA). Da die Kamera einen VGA CMOS Sensor hat, sollte da deutlich mehr drin sein, aber auch mit der SVN Version des Treibers war nicht mehr aus der Cam zu holen.

Nachdem ich mich einige Zeit mit der schlechten Qualität begnügt hatte und keine Besserung in Sicht war habe ich mich nach ausgiebigen Studium einschlägiger Seiten, bewaffnet mit einer Liste von Produktnamen wieder auf den Weg zum nächsten Elektronik Markt begeben. Dort habe ich aber keine einzige Webcam von der Liste finden können. Offensichtlich wechseln die Hersteller ihre Produkte und deren Innenleben mit hoher Frequenz, sodass mir nicht viele Chancen blieben. Auf gut Glück habe ich dann eine Creative Live! Cam Video IM Pro (VF0410) für ca. 40 Euro entschieden. Zu Hause angekommen habe ich sie auch relativ schnell mit dem uvc Treiber zum laufen bekommen, sogar in VGA Auflösung (640×480) und mit einem tollen Bild. Zwei akute Probleme fielen mir sofort ins Auge - einmal startet die Wiedergabe nur manchmal und es erforderte mehrere Versuche bis die Cam überhaupt ein Bild lieferte, zum anderen war die Ausgabe sehr zäh. Der größte Hammer war dann aber, dass mit Skype die Cam gar nicht arbeitete.

Die Recherchen bzgl. der Verweigerungshaltung von Skype ergab, dass Skype keine Videoquellen im MJPEG Format akzeptiert. Nun gibt es aber einige Cams, die ausschließlich MJPEG liefern, was die Auswahl weitereinschränkte - in meinem Fall die Unsicherheit, denn auf keiner Webcam steht welches Format sie liefert, oder die USB Vendor und Product ID, was einem Linux User doch erheblich helfen würde. Ich meine ich erwarte ja nicht, dass Sie draufschreiben ‘Läuft auch mit Linux’, aber die USB ID sollte ja keinen Riesenaufwand erzeugen und man kann dann relativ schnell bestimmen, ob eine Cam unter Linux läuft oder nicht. Ganz toll wäre es ja den Treiber zu vermerken, wenn das Ding unter Linux tut. Ich gebe zu: das ist etwas zu sehr Kundenfreundlich.

Nach diesen zwei Tagen exzessiven Testens habe ich mich also erneut aufgemacht und den ‘Saubillig’ Markt aufgesucht. Diesmal habe ich lieber keine aus dem Regal genommen, denn es war keine da, die auf meinen Listen als 100% funktionsfähig verzeichnet waren. Kurz vor dem Ausgang entdeckte ich dann in der Krabbelkiste die Hercules Classic Webcam für 11 Euro. Die hab ich dann doch noch eingepackt, trotz schlechter Vorahnung.

Diese Vorahnung wurde jedoch nur teilweise erfüllt, denn auch diese Cam liefert eigentlich nur MJPEG. Jedoch haben sich ein paar Jungs hingesetzt und den Treiber um einen Videoconverter für diverse Formate aufgebohrt. Der Treiber erhielt den Namen ov51x_jpeg. Mit einem kleinen Patch funktioniert damit dann auch Skype damit - endlich auch mit VGA Auflösung. Da der Treiber im Kernelspace Videokonvertierung durchführt ist er natürlich in der Community nicht gerne gesehen, aber er funktioniert und erfüllt seinen Zweck. Skype erzeugt bei mir etwa 10% CPU last auf einem Athlon64 3000+, was verschmerzbar ist. Der Treiber ist mir bisher nur einmal mit einem Kernel Oops ausgestiegen - man kann wohl nicht alles haben. Was an der Kamera jedoch massiv stört ist, dass man das Hilfslicht nicht deaktivieren kann. Diese schaltet sich ab einer gewissen Helligkeit zu und lässt sich zumindest unter Linux nicht abschalten. Ich werde die Cam mal unter Windows test und prüfen ob es dort geht. Wenn ja lassen sich die entsprechenden USB Kommandos sicherlich herausbekommen und in den Treiber einbauen lassen. Die Cam macht auch insgesamt einen guten Eindruck. Sie hat ein Metallgehäuse, ein anständiges Gewicht und eine richtig gute Klammer, die auch als Standfuß fungieren kann.

Fazit: Nicht immer ist die teuerste Cam die Beste - die billigeren Versionen mit vermeindlich veraltetem Innenleben haben evtl. die größeren Chancen Support unter Linux zu haben. Mit der Hercules bin ich einigermaßen zufrieden, zumal sie für den Preis eine ausgesprochen gute Verarbeitung bietet.

UPDATE: Ein erneuter Versuch mit der Philips Kamera an einem anderem System verlief erfreulicher. Dort liefert der UVC ein Bild mit 640×480 Pixel, was der nativen Auflösung des Sensors entspricht. Warum die  Kamera an meinem System nicht korrekt funktioniert bleibt ersteinmal unklar. Nach einigem Hin und Her habe ich auch das USB Audio Device der Philips (sprich das Mikrofon) zum Laufen gebracht, allerdings nur theoretisch. praktisch kommt keine Aufnahme in Skype damit zustande. Damit zieht die Philips gleich mit der Hercules Kamera, ja ist sogar eine Idee besser, da sie keine zusätzlich MJPEG zu YUVY Konvertierung benötigt und direkt mit Skype arbeitet.

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